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Dabei bleibt sie in bestem Sinne dominant und zeigt einen absoluten Gestaltungswillen. Ihre Läufe sind nicht einfach nur brillant, sonder bergen eigene Dramaturgien, schwellen an und ab wie Stromschnelle. Ein hochromantischer Ton, der zu Beginn der kurzen Kadenz im ersten Satz schon impressionistisch klingt. Ein musikalischer Mut, der auch das Orchester mitreißt und Beifallsstürme verursachte.

Die beiden Zugaben des ehemaligen Wunderkindes waren genauso originell wie ihr Spiel: eine angejazzte Fassung von Mozarts berühmten "Rondo ala Turca" und - unglaublich aber wahr - die "Comptine dùn autre ete: l'apres-midi" von Yann Tiersen, das man aus dem Anfangsklavierunterricht kennt. Natürlich richtig nett gespielt.

Mit c-Moll ging es nach der Pause weiter: Beethovens 5. Sinfonie, ein lang gehegter Traum für Thomas Berning, wie Nils Gronemeyer später in seiner Laudatio zum Saisonende verriet. Über Beethovens Fünfte muss man nichts mehr schreiben, es ist aber überwältigend, jemanden live bei der Erfüllung seiner Träume zu beobachten.

Berning dirigierte auswendig in engem Blickkontakt mit den Musikern. Und die spielen wie lange nicht, nehmen die fast sichtbar fließende Energie auf und setzen wiederum eigene Energien frei. So professionell hat dieses Orchester noch nie geklungen, so präzise und so engagiert. Man spürt die intensive Probenarbeit und die damit einhergehende Entwicklung und freut sich auf die nächste Saison, die am 3. Oktober mit dem Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit beginnt.

Claire Huangci mit dem Orchester der Philharmonischen Gesellschaft zu Gast in der Kaiserpfalz

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Mozarts 24. Klavierkonzert c-Moll nimmt im Gesamtwerk des Komponisten eine Sonderstellung ein, zumal Mozart lediglich zwei seiner Klavierkonzerte in Moll-Tonarten geschrieben hat. Die musikalische Seelenverwandtschaft zu Beethovens drittem Klavierkonzert ist, trotz unterschiedlicher Kompositionsansätze, unverkennbar. Abweichend von formalen Gepflogenheiten der damaligen Zeit gestaltete Mozart den Larghetto-Satz seines Konzertes als Rondo und den dritten Satz als ausgeprägten Variationssatz.

Dem Orchester und der Solistin gelang es, mit traumhafter Musikalität und einer Souveränität, die fernab von vordergründiger Virtuosität angesiedelt war, dieses großartige Werk sensibel zu gestalten, ohne dabei in eine überzogene Romantisierung zu entgleiten. Wohltuend erwies sich auch der sparsame Gebrauch des Klavierpedals. Als Zugaben spielte Claire Huangci eine mitreißende Bearbeitung von Mozarts "Alla Turca" und ein Stück aus Yann Tiersens Soundtrack zum Film "Die fabelhafte Welt der Amélie".

Beethovens fünfte Sinfonie in c-Moll ist für viele Musikfreunde längst zum Synonym klassischer Musik geworden. Es bleibt phänomenal und genial zugleich, wie Beethoven aus einem prägnanten, kurzen Kernmotiv eine derart monumentale und spannungsgeladene Sinfonie komponieren konnte. Für seine Zeitgenossen muss diese Musik vollends revolutionär geklungen haben. Ähnlich wie Mozart erweiterte Beethoven insbesondere im Schlusssatz die bis dahin übliche Orchesterbesetzung. Das triumphierende C-Dur im Finalsatz bereitet Beethoven mit einer grandiosen Überleitung vor, die den extremen Stimmungswandel vom Dramatischen zum Triumphierenden psychologisch geschickt anbahnt. Auch diese wesentliche Passage gestaltete das Orchester meisterhaft.

Beeindruckend gelang zudem die Aufführung des zweiten Satzes, des Andante con moto. Thomas Berning legte großen Wert auf eine transpatente und feinsinnige Darbietung von musikalischen Details, wie man sie nur selten zu hören bekommt. Das Publikum dankte am Ende den Mitwirkenden mit begeistertem Applaus.

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Ein grandioses Solo der Gambistin zeigt höchst einprägsam die instrumentelle Qualität der Viola da gamba mit Abels Sonate in d-Moll, auf sieben Saiten über einen flacheren Steg gespannt zaubert Simone Eckert faszinierende Akkorde, der im Untergriff geführte Bogen erreicht mit schrägem Ansatz gleich mehrere Saiten, ein Cello bekannter Bauart erlaubt diese Spielweise nur begrenzt.

Fast bajuwarisch tänzerisch geht es mit Franz Xaver Hammer auf die Pause zu, ein anonymer Komponist könnte es auch gewesen sein, der für seine Hofkapelle einige Melodien und Tanzweisen arrangieren musste, gezupfter Dreivierteltakt mit Hornstößen wechselt zu subtilem Musizieren. Mit langem Applaus signalisiert das Publikum auch Anerkennung für das Quellenstudium in der Mecklenburgischen Landesbibliothek, verschüttete Werke namhafter Komponisten erfahren durch die Hamburger Ratsmusik neue Prachtentfaltung.

Carl Stamitz (1745 - 1801) war ein namhafter Vertreter der "Mannheimer Schule", deren Wirken den Weg zur Sinfonik ebnete, im zweiten Teil des Abends kommen Quartett D-Dur und Sextett Es-Dur zur Aufführung. Die Klangcharakteristik der alten Instrumente baut Spannung zum neuartigen Kompositionsstil auf, das Ensemble entwirft temperamentvoll ein akustisches Szenario der bewegten Zeit zwischen Barock und Wiener Klassik. Hier findet sich auch Joseph Fiala (1748 - 1818), böhmischer Cellist und fleißiger Tonsetzer, er gibt Simone Eckert mit der Sonate G-Dur Gelegenheit, eine Viola da Gamba zu spielen, deren Resonanzsaiten Sphärenklänge und begeisterte Ovationen erzeugen, Musik einer frohgemuten Epoche, nur ein Werk des Abends stand in Moll.

Simone Eckert mit Ihrer Hamburger Ratsmusik zu Gast bei der Philharmonischen Gesellschaft in der Kaiserpfalz

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In der bekannteren, viersätzigen Sinfonie Nr. 29 A-Dur KV 201 setzt Mozart die kompositorischen Techniken der Wiener Klassik um. Dem bestens disponierten Orchester gelang hierbei ein bemerkenswert sensibles Andante. Nach der Aria "Vorrei spiegarvi, oh Dio" KV 418 folgte die Aria "Ch'io mi scordi di te" KV 505, die wegen der zusätzlichen virtuosen Klavierbegleitung unüblich besetzt ist. Thomas Berning übernahm selbst den Klavierpart und leitete - auch das war zu Mozarts Zeiten gängige Praxis - das Werk vom Klavier aus.

Mit Sophie Klußmann hatte die Philharmonische Gesellschaft eine exzellente Solistin engagiert, welche die stimmtechnisch schwierigen und groß angelegten Konzertarien des versierten Operngenies Mozart bravourös meisterte. Mit glockenreiner, warmer Sopranstimme, mit gut dosierten Vibrati meisterte sie beachtliche Tonsprünge, schnelle Läufe, schwierige Intervalle und extreme Höhenlagen. Auch gelang es ihr, mit adäquater Mimik und dezenter Gestik den Inhalten dieser Arien überzeugend Nachdruck zu verleihen.

Das Orchester erwies sich als feinsinniger und erfahrener Begleiter, ohne dabei den wichtigen und komplexen Orchesterpart nur oberflächlich anzupassen. Ouvertüre und Sinfonien erklangen makellos in einem angenehm zügigen Tempo, bei dem selbst schnelle Skalen sauber gespielt wurden. In den Durchführungsteilen der Sinfonien war das thematische Wechselspiel dynamisch wohltuend aufeinander abgestimmt. Thomas Berning überzeugte wieder einmal durch Präzision und unspektakuläres Dirigat. Für einen derart großartigen Konzertabend dankten die beeindruckten Konzertbesucher mit lang anhaltendem Applaus.

Das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft in der Kaiserpfalz

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Foron überzeugt auf allen Wettbewerben gestandene Jurymitglieder und räumt die ersten Preise ab, diesmal spielt sie (fast) unter Gleichaltrigen, keine leichte Aufgabe für den Dirigenten, das große Orchester voller jugendlicher Energie auf die kraftvolle Solistin zu fokussieren.

Das gibt Spannung von Anfang an, zwei Takte gedämpfter Paukenwirbel, dann stellen Klarinette, Fagott und Flöte ein lyrisches Thema vor, Takt sechs legt die Solovioline los und nimmt das Klanggeschehen in die Hand. Variationen und Improvisationen in frappantem Wechselspiel mit dem Orchester, das Allegro moderato wackelt noch ein bisschen, der erste Satz steckt voller Kontraste, die davon stürmende Violinistin macht den jungen Orchestermusikern scheinbar Angst vor der eigenen Courage.

Doch Dirigent Hannemann wirkt als ruhender Pol, gibt Orientierung und schafft Konformität, liebevoll wendet er sich der Solistin zu und leitet zum Adagio, dem poetischen Höhepunkt des Violinkonzerts. Hier stimmt alles, lyrisches, Kantilenenspiel ohne Schmalz, ausgeglichene Orchesterpassagen wechseln mit dynamischen Steigerungen, exakte Tonartwechsel erhellen die tonalen Bilder, mit Wehmut lassen Solistin und Dirigent den ergreifenden Satz verklingen.

Als Allegro energico ist der tänzerische Schlusssatz benannt, die Jungen Sinfoniker entzünden Feuer und Leidenschaft und machen deutlich, warum dieses Violinkonzert immer wieder gespielt werden muss. Die Solistin Foron hat noch einmal reichlich Gelegenheit, mit Variationen und mitreißenden Doppelgriffpassagen zu brillieren, auf den Jubel des Publikums beschert sie locker noch zwei kontroverse Zugaben von Fritz Kreisler und Johann Sebastian Bach.

Nach lebhaften Pausengesprächen über Spielfreude und Übefleiß beschließt die gewichtige Sinfonie Nr. 8, G-Dur op. 88 von Antonín Dvorák den Romantikabend, Naturklänge aus Böhmens Hain und Flur, heitere Melodien und Gesänge gegossen in sinfonische Klangsprache erfreuen die Zuhörer. Das üppig besetzte Orchester spielt unter Alexander Hannemann vier Sätze in leichtfüßigem Tempo, lieblich und lautstark und am Ende ausgiebig beklatscht für herausragende Einzel- und Gemeinschaftsleistungen.

Eine selten originelle Zugabe löst dann neue Begeisterungsstürme aus: Der Paukist hämmert auf einer alten Schreibmaschine den Rhythmus zu Leroy Andersons Mini-Konzert "Typewriter", zu Ehren der namenlosen Stenotypistinnen der 1950er Jahre.

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Die Streicher erzeugten in langsamem Tempo die dunklen Klangfarben und elegischen Themen, so dass sich das Gefühl der Trauer unmittelbar in Klang umwandelte. Die Musik blieb immer im Fluss, die Themen schraubten sich behutsam nach oben, steigerten sich in großen, wellenförmigen Crescendi und sanken dann langsam wieder zurück.

Dann betrat die junge Violinistin Mira Marie Foron die Bühne und verzauberte die gebannten Zuhörer in der gut gefüllten Paderhalle mit dem Violinkonzert Nr. 1 von Max Bruch. In jedem energiegeladenen Satz ließ sie die Violine natürlich singen und erreichte enorm subtile Zwischentöne - und das mit Feuer, Spannkraft und einem dramaturgischen Weitblick. Virtuosität entstand bei ihr organisch, als Ausdruck größter emotionaler Intensität. Bei den Kadenzen erreichte sie bemerkenswerte Schattierungen. Staunen machte, welche Klänge sie ihrem Instrument auch in den Höhen entlockte. Das Orchester stand der Solistin perfekt zur Seite, Bezüge zueinander wurden markant herausgearbeitet. Eine mitreißende Interpretation, der zwei Solozugaben der Violinistin (Kreislers "Scherzo" sowie die "Sarabande" aus Bachs Partita Nr. 2) folgten.

Nach der Pause erklang die Sinfonie Nr. 8 G-Dur von Antonin Dvorak. Voller Dramatik mit farbiger Instrumentierung arbeitete das Orchester den Reize der Musik heraus. Warme Holzbläser-Kantilenen, Posaunengetöse, perlende Violinen und sonore Celli fesselten die Hörer. Kraftvoll setzten die Musiker Akzente, manchmal standen die gegensätzlichen Passagen geradezu blockartig nebeneinander. Für diese Darbietung gab es begeisterten Schlussapplaus und als Zugabe gleich zwei Mal "The Typewriter" von Leroy Anderson.

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Das junge Ensemble hat von der Kritik schon das Label "Chamber music with joy" erhalten, als ob Kammermusik an sich freudlos sei, doch der durchgängig prickelnde Sound hat schon was Besonderes. Die Phrasierung ist pointiert und durchdacht, obwohl man sich an den Standards der klassischen Epoche orientiert, klingt dieser Haydn enorm frisch.

Für das folgende Trio von Spaß-Altmeister Jean Francaix wechselte Simon Monger erstmal den Bogen, um hier etwas aggressiver aufspielen zu können als bei Haydn. Wer eine Satz im klassischen Klaviertrio M.M.:5/8=52 betitelt, muss schon Humor haben oder er ist ein Kontrollfreak. Von Jean Francaix erwartet man Ersteres, und schon nach wenigen Takten stellte sich bei vielen Zuhörern dieses wohlige Grinsen ein, das sich bisweilen bei intelligenter hintergründiger Unterhaltung zeigt.

Dieser Satz zeigt wieder mal alles, was man von einem Werk Francaix' erwartet, verzwickte Rhythmik, völlig unerwartete melodische Entwicklungen und immer ganz nah an Bar- und Unterhaltungsmusik, ohne irgendwas zu kopieren. Was wunderbar leicht zu hören ist, ist oft gar nicht so einfach zu spielen, was bei Jean Francaix doppelt gilt. Hier zeigt sich die Kernbesetzung des Eldering-Ensembles in bester Spielfreude, die die Klippen der Technik vergessen lässt.

Zum schlussendlichen Hauptwerk des Abends gesellte sich als Gast der erfahrene Bratscher Mathias Buchholz, als vierter Mann für das gewaltige g-Moll Quartett von Johannes Brahms. Hier klingt das Eldering-Ensemble wie eine All-Star-Besetzung im besten Sinne. Sandra Urba stemmt den vollgriffigen Klavierpart ohne Probleme und setzt lyrische Marken, die dann von den drei Streichern in sinfonischer Dichte aufgenommen wurden. Jeanette Giers Cellocantilenen klingen berückend schön, die Bratsche leicht dominant, jedoch immer stimmig und die Violine überstahlt alles. Mit dem zündenden Schlusssatz "Rondo alla Zingarese" endete der offizielle Teil des Konzerts.

Als Zugabe gab es das "Andante cantabile" aus Schumanns Quartett in Ex-Dur, gleichermaßen mit Hingabe und Souveränität musiziert, das war nicht mehr zu toppen. Ein großartiger Kammermusikabend!

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Glänzend gelang das Wechselspiel der Instrumente bei den vielfältigen Stimmungen, die den Werken innewohnen. Die Musiker meisterten einfühlsam und tonschön, mit technischer Brillanz und dynamischem Facettenreichtum Haydns Trio sowohl im "Allegro" als auch im "Andante". Rhythmische Vitalität forderte den Instrumentalisten vor allem das "Finale Presto" ab.

Zur Sternstunde wurde das dargebotene Trio des aus Paderborns Partnerstadt Le Mans stammenden Jean Francaix als brodelnde Seelen- und Nervenmusik, schwungvoll, zerrissen, wild und zart. Bewundernswert, wie die in Paderborn aufgewachsene Pianistin Sandra Urban nahtlos hämmernde Akkordik, perlende Läufe und sanfte Lyrik aneinanderreihte und mit den Streichern hervorragend kommunizierte.

Mit einem kräftigen "Allegro" schafften die Solisten mit Gast Matthias Buchholz an der Viola schlussendlich beim Quartett in g-Moll von Johannes Brahms eine energiegeladene, anziehende Atmosphäre. Technisch perfekt und von mitreißender Spiellust war das Eldering Ensemble in der langen Reihe der Konzerte der Philharmonischen Gesellschaft eine wahre Bereicherung. Das lag nicht zuletzt an der geschickten Werkauswahl, mit der sich die international erfahrenen Musiker präsentierten. In allen drei dargebotenen Stücken punkteten die Musiker mit einer höchsten Ansprüchen genügenden überlegten Wiedergabe, die mit Spannung und zarter Bogenführung bei den Streichern und geschmeidig-brillantem, nuanciertem Klavierspiel überraschte. Francaix strahlte so im Licht der Empfindsamkeit mit schlankem Ton, Präzision und schmalem Vibrato. Die Soli wurden hier in aller Natürlichkeit musiziert. Kein Wunder, dass nach einem tollen Kammermusikabend der Applaus kaum nachlassen wollte.

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Der verbindlich suchende Glaube treibt den Komponisten, auch Thomas Berning setzt die Andacht vor die Musik mit zurück genommenen Pauken und sanften orchestralen Passagen, in banger Erwartung verebben Chorgesang und Solostimmen, mit voller Kraft beginnt das "Gloria", die "Freude schöner Götterfunken" mündet genial anhand eines archaischen Motivs in den Lobgesang zu Ehren des allmächtigen Vaters, seines Sohnes Jesus Christus, Lamm Gottes, das hinwegnimmt alle Sünden der Welt, ein Jubelgesang der Solisten im Dialog mit dem gesamten Chor, präzise und rein in Ausdruck und Lautstärke.

Als musikalischer Leckerbissen erscheint die ausgreifende Schlussfuge meisterlich instrumentiert, der Dirigent drückt aufs Tempo und mobilisiert die Klangmassen, das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn ist bestens gerüstet für die Beethovenschen Herausforderungen.

Kurze Pause und rezeptorische Stille schaffen eine Distanz zum wortgewaltigen "Credo", mit fast heiteren Empfindungen beginnt die Musik. Gleich fordert Berning höchste Konzentration von Chor und Solisten, Wohlklang und dissonante Modulationen begleiten die Menschwerdung Christi, ein Überzeugendes Tenorsolo von Maximilian Schmitt verkündet "et homo factus est".

Trauervoll feierliche Spannung löst sich in choralen Eruptionen: "Er wird wiederkommen in Herrlichkeit!", die Sänger und Musiker bieten den ergriffenen Zuhörern eine Sternstunden der Paderborner Dommusik. Aus dem Dunkel der Fagotte entwickelt sich das Alt-Solo im "Sanctus", zaghaft und zweifelnd zuerst wirken die Gesangssolisten, dann wandern Triumph und Freude durch die Stimmlagen, im nächsten Abschnitt begleitet ein wienerisches Violinsolo die Gesänge zum "Benedictus", vom Konzertmeister liebevoll intoniert.

Von herrlicher Musik und erhebendem Gesang umgeben vollendet ein tief empfundenes "Dona nobis pacem, Herr, gib uns deinen Frieden" die Missa solemnis. Nach gedankenvoller Stille erheben sich die Besucher von ihren Plätzen und spenden im Dom minutenlang Dank und Anerkennung.

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Seinem bekannten und oft gespielten Violinkonzert stellte Max Bruch die „Schottische Phantasie" zur Seite, auch hier ist die Violine tragendes Soloinstrument, das Orchester verarbeitet schlichte volkstümliche Melodien und kämpferische Kriegsgesänge. Das 30-Minuten-Stück in Es umfasst fünf Sätze, Raum für melodiös ausgreifende Solopassagen und kräftige Orchesterarbeit.

Als hochrangige Solistin konnte die Philharmonische Gesellschaft Sophia Jaffé gewinnen, heute spielt sie mit Bravour die von Max Bruch dem Violinmeister Pablo de Sarasate gewidmete Komposition.

Düster und feierlich, fast wie ein Trauermarsch, eröffnet Thomas Berning, leitet zu sanftem Violineinsatz und entwickelt ein packendes Zusammenspiel von Violine und Harfe, die ist optisch und akustisch herausragend in der Orchestermitte platziert.

Besonders liebevoll wirken die kleinen Dialoge der Violine mit Flöte, Horn und Holzbläsern, bis in die höchsten Höhen präzise herausgearbeitet, dazwischen perlt die Harfe, ein einsamer Hornruf kündet vom traurigen schottischen Mädchen, dem der Freund abhanden gekommen ist, vielleicht in den schottischen Unabhängigkeitskriegen vor 700 Jahren, die das energetische Orchester im Allegro guerriero lautstark beschreibt und damit die sinfonischen Dichtung beschließt. Die bejubelte Sophia Jaffé spendiert als angesagte Zugabe die kunstvolle d-Moll-Sarabande von J.S.Bach.

Die Pause schafft geistige Distanz zum rauen schottischen Hochland, Johannes Brahms (1833-1897) und seine Sinfonie Nr. 3 in F-Dur bestimmen den zweiten Teil des Konzertabends, Themenreichtum und sorgfältige kompositorische Arbeit kennzeichnen die vier Sätze.

Thomas Berning erscheint souverän mit ‚gespeicherter‘ Partitur, im freien Dirigat führt er sein Orchester zu einer ausgewogen, emotional berührenden Interpretation mit gezupften Dreivierteln im ersten Satz bis zum Paukenschlag, Hauptthema, Seitenthema, Durchführung mit Hornsolo, perfekt durchgestaltet.

Brahms fordert von allen Instrumenten angemessene Leistungen, die Musiker der Philharmonischen Gesellschaft zeigen mit Engagement ihr Können und vermitteln im Einzeil- und Zusammenspiel nachhaltige Hörerlebnisse, das Festkonzert wird lange in lebendiger Erinnerung bleiben.

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Die vielfach preisgekrönte und international gefragte Geigerin Sophia Jaffé zielte daher nicht auf vordergründige technische Brillanz, sondern auf die expressive Intensität des Tones, der die romantisch versonnene Komposition mit strömender Musikalität einfing. Klangschön und beseelt spielte sie, gemeinsam mit den klanglich klaren und feinsinnig glitzernden Saiten der Solo-Harfe, das Thema des »Adagio cantabile« und stellte sich im nachfolgenden Satz ganz auf das zu kontrastiver Gestaltung herausfordernde Werk ein.

In wirkungsvollem Doppelgriffspiel bewältigte Sophia Jaffé mit atemberaubender Virtuosität die technischen Anforderungen des effektvoll-tänzerischen »Allegro«, war zugleich aber mit großer Geste auch auf Dialog bedacht, so dass sich im Zusammenspiel von Solo-Violine und Orchester eine nicht oft zu hörende Verbindung von sinfonischem Schwung und kammermusikalischer Durchsichtigkeit einstellte. Hier entfalteten sich zupackendes Temperament und expressive Intensität, die sich mit tonlicher Differenziertheit und Eleganz zu einer Interpretation von sensibler Klangpoesie verbanden. Langer Applaus und Bravo-Rufe des Publikums mündeten in eine eindrucksvolle Zugabe, die »Sarabande aus der d-Moll Partita für Violine solo« von Johann Sebastian Bach.

Die dritte Sinfonie, F-Dur, von Johannes Brahms wird häufig als die »brahmsischste« des norddeutschen Komponisten bezeichnet, trägt sie doch alle Züge seines Stils: Dichte thematisch-motivische Zusammenhänge und Verflechtungen werden hier bis zum Extrem geführt. Als interpretatorische Aufgaben stellen sich sowohl der Wille zum großen Bogen als auch das Herausarbeiten expressiver Details. Thomas Berning, der mit sicherer Impulsgebung auswendig dirigierte, ging es um eine weiche Konturierung mit fließenden Übergängen, um das Kammermusikalische der Binnensätze ebenso wie um die Darstellung der energisch-temperamentvollen Ecksätze. Mit guter Balance zwischen Bläsern und Streichern und vielen klangschönen Einzelheiten, besonders in Solo-Klarinette und Solo-Horn, beeindruckte das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft in einer Wiedergabe, die von den Zuhörern mit starkem Applaus belohnt wurde.

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Sein Vorgänger Dr. Dietrich Nöcker wird als stellvertretender Vorsitzender einen reibungslosen Übergang in der Vereinsführung gewährleisten.

Schatzmeister Reiner Frank wurde in seinem Amt bestätigt.

Die künstlerische Leitung liegt weiterhin bei Domkapellmeister Thomas Berning.

Die Gesellschaft zählt aktuell 422 Mitglieder, die Zahl der Abonnenten ist um 38 auf 181 gestiegen.

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